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ZWANZIGSTER VORTRAG

Dornach, 15.Januar 1917

Ich habe gestern darauf hingewiesen, wie die geistigen Glieder des menschlichen Wesens ihre Angriffspunkte haben im physischen Organismus. Diese Erkenntnisse werden in das Bewußtsein der Menschheit einfließen müssen, denn sie sind das, was in Wahrheit die Menschheit zum Licht führen muß gegenüber der Finsternis des Materialismus unserer Zeit, jener Finsternis, die noch lange, lange andauern wird. Aber eigentlich dürfte niemals der Faden des spirituellen Erkennens ganz verloren werden. Dafür muß wenigstens ein kleiner Teil der Menschheit immer sorgen. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß gerade die richtigen Erkenntnisse des Materialismus, die von unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft durchaus nicht verkannt werden sollen, in das rechte Licht gerückt werden, wenn man die Dinge und insbesondere den Menschen spirituell betrachtet. An einem Beispiel wie dem, von dem ich gestern ausgegangen bin, können Sie sehen, wie auch das materielle Geschehen im Menschen von der spirituellen Wissenschaft voll berücksichtigt wird, nur daß die spirituelle Wissenschaft das Geistige anerkennt und gerade die Verankerung des Geistigen im Materiellen untersucht, insbesondere zunächst beim Menschen. Dadurch wird jene Klippe vermieden, die vermieden werden muß, und die darin besteht, daß das Geistige nur in abstrakten Begriffen gesucht wird, die nicht die Macht haben, einzudringen in das, was vom Geiste geschaffen ist: das Materielle. Das Geistige muß nicht nur in gewissermaßen über dem Materiellen schwebenden Wolkenkuckucksheimbegriffen leben, sondern es muß so kraftvoll und intensiv sein, daß es das Materielle selbst durchdringen und in seiner Geistigkeit aufzeigen kann, wie ja das Geistige in seiner Realität der Schöpfer des Materiellen ist. So muß sich auch der wirklichen spirituellen Wissenschaft die Möglichkeit ergeben, das Materielle, das Sein auf dem physischen Plan, zu verstehen. Daher ist es wichtig, auf das Ineinandergreifen des Geistigen und des Materiellen im Menschen gerade in dieser Zeit zu achten, wo es notwendig ist, das Eingreifen eines Nichtsinnlichen, [150] der Volksseele, in die menschliche Wesenheit richtig aufzufassen.

Ich habe gesagt: Was wir im alltäglichen Leben nicht als Angehörige dieser oder jener Menschengruppen, sondern als Erdenmenschen überhaupt denken, empfinden, wollen, ist gebunden an das feste, das erdige Element. Und wenn wir auch dieses erdige Element nur zu fünf Prozent in uns haben, sagte ich, so ist doch dasjenige, was für die Welt zwischen der Geburt und dem Tode die rein persönlichen Erkenntnisse, Willensimpulse und Gefühlsintensitäten vermittelt, namentlich an das mineralisch Feste in unserem Gehirnorgan gebunden; da hat es seinen eigentlichen Angriffspunkt. - Sobald wir zu dem aufsteigen, was den Menschen in das Über- oder Unterpersönliche führt, können wir nicht mehr mit solchen Vorstellungen rechnen, die durch das Feste vermittelt werden, sondern diese Vorstellungen werden vermittelt durch das flüssige Element. Und Vorstellungen, die uns gar so weit in das Über- oder Unterpersönliche führen, wie das Eingreifen der Archangeloi in die Menschenwesen, werden uns vermittelt durch das luftförmige Element. Das luftförmige Element ist der Vermittler zwischen diesen Archangeloiwesen und ihrer Sphäre und demjenigen, was der Mensch erlebt, allerdings so unterbewußt, wie ich das gestern angedeutet habe.

Wir sind ja zu weit über neunzig Prozent eine Wassersäule, das heißt eine Flüssigkeitssäule, aber dieses Flüssige im Menschen, das ja die äußere Wissenschaft heute noch sehr wenig berücksichtigt, ist gerade der Hauptträger des menschlichen Lebens. Und ich habe schon einmal darauf hingewiesen, wie das luftförmige Element durch das flüssige in das feste Element hineinwirkt, das im Gehirn verankert ist. Wir atmen ein; dadurch, daß wir den Luftstrom einatmen, also unseren Leib mit dem Luftstrom ausfüllen, wird das Organ, das wir Zwerchfell nennen, gesenkt. In diesem Einsaugen des Luftstromes und allem, was damit zusammenhängt, bis zum Senken des Zwerchfelles, haben wir jene Sphäre, in der die aus dem Reiche der Angeloi ausgehenden Impulse wirksam sind. Und so wie dies alles im Unterbewußten bleibt, so bleibt auch die wahre Gestalt der Wirkungen der Volksseele im Unterbewußten, sie wird nur, wie ich gestern vergleichsweise sagte, wie Wogen heraufgeschlagen, aber in ganz anderer Gestalt, als sie in Wirklichkeit da [151] unten lebt. Wenn das Zwerchfell heruntergedrückt ist, beginnt eine Art Stauung des Blutes in den Venen des Unterleibes. Dadurch wird der Strom des Gehirnwassers durch den Rückenmarkskanal heraufgedrückt und in das Gehirn, also um die verfestete Gehirnmasse herum, hinein-ergossen; so daß jetzt infolge des Einatmens das Gehirnwasser im Gehirn selber ist, heraufgestoßen ist. In diesen Wirkungen der Pulsation des Gehirnwassers liegt alles das, was an Impulsen aus der Sphäre der Angeloi in den Menschen läuft, alles dasjenige, was der Mensch an Vorstellungen, Empfindungen gewinnen kann, die ihn ins Überpersönliche oder Unterpersönliche erheben, also ihn verbinden mit den Gewalten, die hinausgehen über Geburt und Tod. Und im Gehirn selbst, da stößt dann das Gehirnwasser an das Feste.

Dem parallel geht der Vorgang, der darinnen besteht, daß in unserem Flüssigen auch die Vorstellungen, die Begriffe wogen, denn die Vorstellungen und Begriffe sind geistige Entitäten, welche in dem flüssigen Element wogen, und als unsere alltäglichen, auf die Sinneswelt bezüglichen Vorstellungen kommen sie dadurch hervor, daß sie auf das Feste stoßen, von dem Festen zurückgespiegelt werden und dadurch zum Bewußtsein kommen.

Wenn wir wieder ausatmen, tritt dafür in den Blutgefäßen des Gehirns eine Stauung ein, und das Gehirnnwasser wird durch den Rückenmarkskanal in den Unterleib heruntergedrängt. Es kann da hinein, weil infolge des Ausatmens das Zwerchfell gehoben wird und dadurch Raum ist für das Hinunterfließen des Gehirnwassers in den Unterleib. Das Denken, Vorstellen und so weiter ist eben nicht jener Prozeß, von dem die anatomisch-physiologische Wissenschaft heute als von einem bloßen Gehirnprozeß träumt, sondern es hängt das, was im Gehirn vor sich geht als die Spiegelung an einem Festen, mit dem zusammen, was nicht mehr spiegelt, sondern im Flüssigen bleibt, und von da, auf dem Umwege durch die Atmung, den Einfluß des luftförmigen Elementes regelt. Das ist auch der Umweg, auf dem alles, was uns mit dem Klima, mit Erdenverhältnissen, die an ein bestimmtes Terrain gebunden sind, und mit sonstigen äußeren Einflüssen, die mit der Atmung zusammenhängen, vermittelt wird. In dem, was niemals ins Bewußtsein hereinfließt, im Atmungsprozeß, dem nichts anderes ist als ein wogendes Meer, [152] wogen geistige Realitäten. Der Atmungsprozeß steht auf dem Umwege durch das Gehirnwasser in Verbindung mit dem Gehirn.

Da haben Sie den materiellen Prozeß, der dem ganzen Menschen angehört, so ausgedrückt, daß Sie ihn als die Offenbarung des Geistes erkennen, der uns überall ebenso umgibt wie die Luft oder die Feuchtigkeit. Und Sie bekommen durch ein wirkliches Verstehen der materiellen Vorgänge einen Einblick, wie das Erdenmilieu mit seinem darin befindlichen Geistigen auf den Menschen wirkt, wie der Mensch als Geistig-Physisches eingebettet ist in das Geistig-Physische seiner Erdenumgebung. Und Luft, Wasser und Wärme, die uns umgeben, sind ja nichts anderes als Körper für Geist, geradeso wie unsere Muskeln und Nerven Körper für Geist sind.

Ich stelle jetzt diese Dinge hin, weil dadurch eingesehen werden kann, welche dem heutigen Erkennen ganz unoffenbaren Prozesse dem menschlichen Leben zugrunde liegen; aber es wird die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraumes sein, diese Prozesse in die wirkliche Erkenntnis heraufzuführen. Aller Unterricht, alle Pädagogik, alle menschliche Unterweisung, aber auch alles äußere menschliche Leben muß im Laufe des fünften nachatlantischen Zeitraumes von diesen Erkenntnissen durchdrungen werden, und es muß erkannt werden, daß dasjenige, was heute in materialistischen Kreisen als Wissenschaft angesehen wird, nach und nach auch mit seinen Lebenskonsequenzen zu verschwinden hat aus dem Leben der Erde. Und alle Kämpfe, welche noch zu bestehen sein werden im fünften nachatlantischen Zeitraum, sie werden nur ein äußerer Ausdruck sein eines geistigen Kampfes, wie letzten Endes auch der jetzige Kampf ein äußerer Ausdruck des Gegensatzes von Materialismus und Spiritualismus ist. Denn wie sich die Dinge auch verbergen - hinter den unendlich traurigen Ereignissen der Gegenwart liegt der Kampf des Materialismus gegen den Spiritualismus. Dieser Kampf muß ausgefochten werden. Verschiedene Formen wird er annehmen, aber er muß ausgefochten werden, weil die Menschen all das werden ertragen lernen müssen, was notwendig ist zu ertragen, um sich die spirituelle Weltanschauung für den sechsten nach-atlantischen Zeitraum zu erwerben. Und man kann sagen: Es muß viel gelitten werden, aber nur aus Schmerzen und Leiden geht das hervor, [153] was die Erkenntnis wirklich mit unserem Selbst verbindet; denn auf der andern Seite ist mit all dem, was materialistisches Anschauen der Welt ist, die materialistische Lebensgestaltung verbunden, die heute erst im Anfange steht, die aber noch unendlich furchtbarere Formen annehmen wird.

Materialistische Lebensgestaltung hat insbesondere damit begonnen, daß zunächst erkenntnismäßig nur gelten gelassen wurde das Materielle; aber sie hat ja schon bis zu einem hohen Grade dahin geführt, daß die Menschen auch im Leben nur gelten lassen wollen das Materielle. Das aber wird noch viel, viel weiter gehen, wird viel intensiver noch werden. Denn der fünfte nachatlantische Zeitraum muß ausgelebt werden. Er muß auf den verschiedenen Gebieten zu einer Art Höhepunkt kommen. Denn nur an seinem Gegenpol kann sich der Spiritualismus mit jener Intensität erkennen, mit der er sich erkennen muß, wenn die Menschheit reif in den sechsten nachatlantischen Zeitraum hinübergehen soll. Deshalb müssen Sie es nicht scheuen, die spirituellen Richtlinien zu verfolgen, wie sie sich als eine Möglichkeit anbieten, um die äußeren Tatsachen der Welt zu erfassen. Denn die erste Aufgabe und Verpflichtung für den spirituell strebenden Menschen ist, den Gang der Menschheitsentwickelung auch bis in die Gegenwart herein zu begreifen und die wahrscheinliche Entwickelung in die Zukunft hinein, nach spirituellen Richtungen. Wir haben oft gesprochen von dem, was als Erbschaft geblieben ist von dem im 15.Jahrhundert zu Ende gegangenen vierten nachatlantischen Zeitraum, und wir haben davon gesprochen, wie der fünfte nachatlantische Zeitraum dazu da ist, die Bewußtseinsseele voll zur Entwickelung zu bringen.

Nun soll gerade die Bewußtseinsseele den Menschen innig zusammenschließen mit allem materiellen Geschehen, mit allem, was mit dem Materialismus zusammenhängt. Wir haben gesehen, wie im vierten nachatlantischen Zeitraum, vom 8. vorchristlichen bis ins 15. nachchristliche Jahrhundert, das griechisch-lateinische Element allmählich weltbeherrschend geworden ist: Erst in dem, was man gewöhnlich das Römische Reich nennt, dann in dem römischen Papsttum, das den Höhepunkt seiner Herrschaft gerade im 13. und im Beginne des 14. Jahrhunderts erlangt hat. Das ist auch zugleich der Beginn des fünften [154] nachatlantischen Zeitraumes; es ist zugleich der Beginn des ersten Brechens der römisch-päpstlichen Herrschaft. Es ist zu gleicher Zeit der Beginn jener Impulse, unter deren Einflusse unsere heutigen traurigen Ereignisse stehen. Und im Grunde genommen kann niemand verstehen, was heute geschieht, wenn er nicht die Dinge in einem größeren Zusammenhang betrachtet. Denn beteiligt an den traurigen Ereignissen des heutigen Europa sind doch im Grunde genommen alle europäischen Völker. Wer erkennen will, muß notwendig auf die Impulse hinschauen, die sich lange vorbereitet haben, und die in einer gewissen Weise heute eine Amt ersten Ausfluß finden.

Daher wollen wir heute, ich möchte sagen, Weitschauendes mit Nächstliegendem zusammenfassen. Erinnern wir uns zunächst, daß wir einmal auseinandergesetzt haben, wie die südlichen Völker, die italienisch-spanische Bevölkerung, in dem, was sie an Reichen hervorgebracht hat, eine Art Nachwirkung darstellt des dritten nachatlantischen Zeitraumes, selbstverständlich mit Eingliederung der ganzen Erbschaft des vierten Zeitraumes. Sie brauchen ja nur die ganze Struktur der italienisch-spanischen Entwickelung zu verfolgen, wie sie sich ergeben hat um die Wende des vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, um zu sehen, daß darin noch das steckt, was für den dritten, den ägyptisch-chaldäischen Zeitraum eine unmittelbare Gegenwartsberechtigung hatte. Namentlich in der Art und Weise, wie, von Rom und Spanien ausgehend, sich der aus dem Ägyptisch-Chaldäischen entlehnte Kultus als Religion geltend macht, haben Sie das Herüberleben des zurückgebliebenen Agyptisch-Chaldäischen, das dann im 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt erlangte. Wollen wir mit einem Ausdrucke, der uns heute verständlich sein kann - denn Worte sind zu verschiedenen Zeiten verschieden verständlich -, das, was vom Süden Europas ausgehend im 13.Jahrhundemt als Papstherrschaft seinen Höhepunkt erlangte, bezeichnen, wie es den Tatsachen entspricht, daß die Papstherrschaft dazumal über die ganze europäische Kultur sich ausbreitete und sie beherrschte, so müssen wir sagen, es ist das im wesentlichen das kultisch-hierarchische, kirchliche Element. Dieses kultischhierarchische, kirchliche Element, zu dem sich das Römertum in dem nach Europa einströmenden romanischen Katholizismus umgewandelt [155] hat, ist einer der Impulse, welche nachwirken wie zurückgebliebene Impulse durch den ganzen fünften nachatlantischen Zeitraum, insbesondere durch sein erstes Drittel hindurch nachwirken werden. Sie können sich, ich möchte sagen, ausrechnen, wie lange das dauern wird. Sie wissen ja, daß ein nachatlantischer Zeitraum ungefähr zweitausendeinhundertsechzig Jahre dauert; das Drittel ist siebenhundertzwanzig Jahre. Sie haben also mit etwa 1415 anfangend die Hauptwirkung bis 2135, so daß die letzten Fluten des hierarchischen Romanismus bis in den Beginn des dritten Jahrtausends hinein dauern werden. Es sind die Nachwirkungen, in denen sich die Impulse des vierten nachatlantischen Zeitraumes in den Formen des dritten Zeitraumes geltend machen. Aber die Dinge wirken ja alle gleichzeitig, und so wirken auch andere Impulse mit diesen zusammen. Seinen eigentlichen Höhepunkt hat ja der romanische Katholizismus eben schon im 13., 14. Jahrhundert gehabt.

Sehen wir einmal an, wie er nun weiter verläuft. Wir müssen also bei ihm die Wirkung bis ins 13.Jahrhundert,wo er gewissermaßen seine Berechtigung hatte, weil es noch der vierte nachatlantische Zeitraum war, von dem unterscheiden, was nachher folgte, wo er einen andern Charakter, den Charakter zurückgebliebener Impulse annimmt. Er sucht sich auszubreiten. Wie breitet er sich aus? Er breitet sich allerdings bedeutsam aus. Wir sehen ja, daß dasjenige, was allmählich in der neueren Zeit heranreift als Staatsgebilde, mehr oder weniger durchdrungen wird von diesem romanischen Katholizismus. Wir sehen, wie das heranreifende englische Staatsgebilde im Beginne des fünften nach-atlantischen Zeitraumes zunächst ganz in den Händen dieses romanischen Katholizismus ist. Wir sehen, wie Frankreich und auch das übrige Europa sich in bezug auf Vorstellungen und Lebensimpulse in den Fängen dieses romanisch-hierarchisch-kultischen Elementes befinden. Wenn wir das charakterisieren wollen, was da eigentlich lebt, so müssen wir sagen: Es besteht das Bestreben, von Rom aus mit diesem hierarchischen Kirchenelement die Kultur Europas bis zu jenem Wall, den sie sich selbst geschaffen hat in Osteuropa, zu durchtränken, ganz zu durchsetzen. - Aber merkwürdigerweise nimmt eine solche Bestrebung, wenn sie ein zurückgebliebener Impuls wird, einen äußerlichen Charakter an. Sie hat nicht mehr die Kraft, innerliche Intensität zu entwickeln, [156] nimmt dafür einen äußerlichen Charakter an. Sie ergießt sich gewissermaßen in die Breite und hat keine Kraft, in die eigene Tiefe zu gehen. Daher sehen wir das Merkwürdige, daß der römische Hierarchismus immer extensiver wird, immer mehr in die Breite geht, daß er aber in den Ländern, von denen er ausstrahlt, die eigene Bevölkerung unterhöhlt, daß er keine Innerlichkeit gibt.

Sehen Sie, wie die Dinge beginnen. Überall breitet sich der Romanismus in der verschiedensten Form nach außen aus, während er in Italien, in Spanien selber die Bevölkerung unterhöhlt. Denken Sie, was für ein sonderbares Christentum in Italien lebte, als das Papsttum im höchsten Glanze stand. Es ist das Christentum, gegen das die Donnerworte des Savonarola geprägt worden sind. In einzelnen Individualitäten wie in Savonarola lebte allerdings der Christus-Impuls; aber diese Individualitäten fanden sich genötigt, das offizielle Christentum in Grund und Boden zu bohren. Und würde man eine Geschichte entwerfen von dem, was am Ausgangspunkte der Ausstrahlung geschehen ist, so würde man sagen: Die Macht des romanischen Kirchenelementes ging in die Weite, aber das christliche Gemüt ist im Ausgangspunkte der Ausstrahlung selber unterhöhlt worden. Das könnte man bis ins einzelne nachweisen, und es ist eine bedeutsame Wahrheit: Im Ausstrahlen vernichtet sich die Sache in sich selber. Es ist der Gang des Lebens. So wie der Mensch, indem er älter wird, an seinen Kräften zehrt, so zehren auch die Kulturerscheinungen, indem sie sich ausbreiten, an ihrer eigenen Wesenheit und unterhöhlen sich.

Ich habe schon bei früheren Gelegenheiten ausgeführt, wie das französische Staatselement in gewisser Weise eine Art Wiederheraufführen des vierten nachatlantischen Zeitraumes in den fünften herein darstellt. Da haben wir eine zweite Ausstrahlung. So wie wir für das südliche Element versucht haben, ein verständliches Wort zu finden im Ausdruck «kultisch-hierarchisch-kirchlich» - das, was anstrebt, eine universale Monarchie der Kirche, eine Theokratie Europas zu begründen -, so wollen wir jetzt auch versuchen, ein in der Gegenwart verständliches Wort zu finden für jenes Kulturelement, das die Kultur der Verstandesseele aus dem vierten heraufträgt in den fünften nach-atlantischen Zeitraum. Und will man ein Wort finden, welches alle [157] historischen Elemente in sich begreift, hat man den guten Willen, ein Wort zu finden, welches den Tatsachen entspricht, wirklichkeitsgemäß ist, um zu bezeichnen, was durch das französische Staatselement in den fünften nachatlantischen Zeitraum hereingetragen worden ist, so muß man sagen: Es ist das univemsell-diplomatische Element. Und alles, was mit dem universell-diplomatischen Element zusammenhängt, hängt auch mit dem zusammen, was aus dem eigentlichen französischen Staatselemente hervorgegangen ist. Nicht umsonst ist ja die französische Sprache die Diplomatensprache noch bis heute. Und bis ins kleinste wird jeder historische Zug beleuchtet, wenn man findet, wie, ebenso wie von Rom und Spanien aus das Universell-Theokratische, so von Paris aus das Universell-Diplomatische ausstrahlt.

Und das Merkwürdige ist, daß, zwar in einem geringeren Grade als beim Spanisch-Italienischen, weil es sich um ein Heraufheben eines nicht so weit zurückstehenden Elementes handelt, beim französischen Elemente mit dem Ausstrahlen ein Unterhöhlen im Ursprunge einhergeht. Insbesondere ist es interessant, die Geschichte in dieser Beleuchtung zu betrachten. Nehmen Sie die Art, wie, alte Impulse ins Diplomatisch-Politische übersetzend, die großen französischen Staatsmänner, ein Richelieu, Mazarin und so weiter, Weltdiplomatie inaugurieren und betreiben. Ludwigs XIV. Diener denken in europäischen Maßstäben, nicht in französischen, und betrachten sich als selbstverständliche Beherrscher Europas in bezug auf das Diplomatische, auf das universell-diplomatische Element. Immer nimmt ein Element, ein Impuls den andern auf. Nicht umsonst sind es politisierende, diplomatisierende Kardinäle, die den französischen Königen zum Seite stehen, als der französische Staat seinen Höhepunkt erlebt.

Aber wer nun die Geschichte Frankreichs verfolgt gerade in dieser Zeit, dem wird finden, daß jene Sorge, welche gewissermaßen über ganz Europa hin diplomatisiert, unendlich viele Kräfte auf dem Gebiete dem Volkswirtschaft, der Finanzwirtschaft, aber auch der übrigen Kultur dem eigenen Lande entzieht, es unterhöhlt bis in die Einzelheiten. Freilich muß man dann die Dinge nicht im Lichte nationaler Vorurteile betrachten, wenn man sie so ansehen will, sondern man muß sie dann in ihrer Wahrheit, unbefangen, objektiv betrachten. Daher auch jenes [158] Aufbäumen des Volkstumes im revolutionären Element, wie es nur als Konsequenz einer solchen Unterhöhlung hat entstehen können und das zu dem geraden Gegenteil dessen führt, was doch für den französischen Staat das Angemessenste ist: das Königtum. Eine Parallelerscheinung zum revolutionären Element, das dann in der Revolution ausgebrochen ist, ist allerdings im Spanisch-Italienischen nicht zu finden aus den Gründen, die ich schon angegeben habe. Aber man kann sagen: Gerade an der Revolution zeigt es sich, wie merkwürdig in diesem französischen Element der Kontrast wirkt zwischen der Sorge in bezug auf die europäische Diplomatie und der geringeren Sorge für das eigene Land. - Denn wir dürfen nicht vergessen, daß zu gleicher Zeit mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum heraufkam die Ausbreitung der Kultur über die ganze Erde, eben mit den Entdeckungen der bis dahin unbekannten Gebiete der Erde. Wir sehen ja, wie selbstverständlich diejenigen Staaten, die an die See angrenzen, sich ihre Seemacht, ihre Marine begründen. Indem das französische diplomatisierende Element seine Sorge über die ganze Erde ausbreitet, lebt auch - Sie können das in den einzelnen Zügen der Geschichte verfolgen - die französische Seemacht auf; aber sie hat ihren eigenen Gegenpol an dem, was unversorgt innerlich wütet und dann in der Revolution zum Ausdruck kommt. Daher das Merkwürdige, daß in demselben Maße, in dem die Revolution heranwächst, die französische Seemacht vernachlässigt wird. Sie können sehen, wie während der Zeit, in der die Französische Revolution heranwächst, die Seemacht immer kleiner und kleiner wird, wie man die Marine ganz vernachlässigt. Das hat aber eine bedeutende Folge. Als das französische Element aus der republikanischen Zeit wiederum zurückgeht zu dem, was ihm angemessen ist, zum Cäsarentum in Napoleon, da entwickelt sich gerade in der Person Napoleons nun der bedeutsame Gegensatz gegen das Dritte, das jetzt angemessen ist dem Fünften, der Gegensatz Frankreichs zu England, der ja allerdings lange vorbereitet war, aber gerade in der Person Napoleons einen ganz andern Charakter angenommen hat, als er früher hatte.

In dem ganzen Gewoge des Napoleonismus, was sehen wir da höchst Merkwürdiges? Wenn man das studiert, was in bezug auf Napoleon in Europa lebte, so ist der bedeutende Gegensatz doch der zwischen Napoleon [159] und England. - Nun fehlt Napoleon etwas, was in der Erbschaft der Revolution nicht enthalten war, was ihm gewissermaßen fehlen mußte - dieses «mußte» sage ich in dem Sinne, wie man von historischen Notwendigkeiten spricht -, damit sich das Zweite gegen das Dritte, das Französische gegen das Englische geltend machen konnte - dafür fehlte ihm die Seemacht! Denn will man Hypothesen bauen, die ja in der Geschichte nur zur Verständigung berechtigt sind, zu einer solchen aber auch sehr viel beitragen können: Hätte Napoleon eine eigene starke Seemacht gehabt, die er hätte vereinigen können mit den Seemächten, mit denen er verbunden war, so würde er zur See nicht von England überwunden worden sein, und die ganze Geschichte wäre anders verlaufen. Die Seemacht hatte er von der Revolution nicht bekommen. Da sehen wir die beiden Elemente sich begrenzen, die aus dem dritten beziehungsweise vierten nachatlantischen Zeitraum in den fünften hereinragen.

Und nun haben wir dazu das Dritte, welches eigentlich das für den fünften nachatlantischen Zeitraum Entsprechende ist, und das die Bewußtseinsseelenkultur auszubilden hat: das Englische, das Britische. Ebenso wie sich das Empfindungsseelenelement, das heraufgetragen wird durch das Italienisch-Spanische, im Theokratisch-Kultusmäßigen ausspricht - die Empfindungsseele lebt ja nicht im Bewußtsein -, so entspricht dem Französischen das Politisch-Diplomatische, und dem Britischen das Kommerziell-Industrielle, in dem ein vollständiges Ausleben der Menschenseele auf dem Materiellen des physischen Planes stattfindet. Nur müssen wir einen bedeutsamen Unterschied festhalten:

Mit der Prätention der Weltherrschaft konnte das Papsttum nur aus einem bestimmten Grunde auftreten. Sehen Sie, man hat den vierten nachatlantischen Zeitraum (es wird gezeichnet); jetzt kommt das erste Glied, a, des fünften nachatlantischen Zeitraumes, es ist das päpstlich-hierarchische Element. Es strebt noch eine Art Universalmonarchie an aus dem Grunde, weil es gewissermaßen die Fortsetzung der römischen Universalreiche ist. B: die Verstandesseelenkultur. Sie strebt zwar auch etwas Universales an; aber dieses Universelle hat einen stark ideellen Charakter, und das Wichtigste an dem Ausbreiten des französischen Elementes sind doch nicht die Eroberungen, die nur als Begleiterscheinungen [160] auftreten, sondern die Durchdringung der Welt mit politischem Geiste, mit politisch-diplomatischem Denken und Fühlen, jenem diplomatisch-politischen Denken, wie es nicht nur in der französischen Diplomatie und Politik, sondern auch in der Literatur, ja sogar in den übrigen Teilen der französischen Kunst lebt. Aber wollte man von Universalmonarchie oder dergleichen sprechen, so würde man doch nur von einer Art Universaltraum sprechen können. Und das Marschieren an der Spitze der Zivilisation drückt auch recht genau diesen Traum aus.

Dagegen kommen wir zum Dritten, zu c, so ist es, zusammenstimmend mit dem ganzen fünften nachatlantischen Zeitraum, der seinerseits wiederum die Bewußtseinsseele zum Ausdruck zu bringen hat, dasjenige, dem als eine spezielle Enklave das britische Element entspricht, der besondere Träger der Bewußtseinsseele in dem Zeitraume, der besonders die Bewußtseinsseele ausbilden soll. Daher die Prätention des britischen Elementes nach universell-kommerziell-industrieller Weltherrschaft.

Meine lieben Freunde, Dinge, die im geistigen Leben begründet sind, leben sich aus. Sie leben sich mit aller Sicherheit aus. Glauben Sie nicht, daß man darüber irgendwie moralisieren oder theoretisieren kann; sie leben sich aus, sie werden real. Daher glaube niemand, daß nicht aus notwendigen inneren Gründen heraus die Mission des britischen Volkes real werde, die darin besteht, eine kommerziell-industriell-universale Monarchie über die Erde hin zu begründen. Die Prätentionen nämlich kommen als Realität heraus. Diese Dinge muß man einfach als im Weltenkarma liegend erkennen. Und was die Menschen aussprechen, was die Menschen denken, das ist nur eine Offenbarung der geistig dahinterstehenden Kräfte. Daher soll niemand glauben, daß sich die britische Politik jemals moralisch bekehren wird und aus besonderen Rücksichten für die Welt Abstand nehmen wird von ihrer Prätention, die Welt industriell-kommerziell ganz in ihre Hand zu bekommen. Daher brauchen wir uns auch nicht zu verwundern, daß diejenigen, die diese Dinge durchschauen, Gemeinschaften begründet haben, welche darauf ausgehen, einzig und allein so etwas zu verwirklichen, und es zu verwirklichen mit den Mitteln, die zu gleicher Zeit geistige Mittel sind. Und da [161] haben wir nun den Beginn eines unerlaubten Zusammenspielens. Denn selbstverständlich dürfen nicht okkulte Grundsätze, okkulte Mittel, okkulte Impulse als Förderer, als Motoren verwendet werden gerade für die fünfte nachatlantische Kultur, die eine rein materielle Kultur sein muß. In dem Augenblicke beginnt das Anfechtbare, wo hinter der Ausbreitung dieser rein materiellen Kultur okkulte Impulse stehen. Das aber - ich habe es Ihnen ja ausgeführt - ist der Fall. Man will gewissermaßen nicht bloß mit dem, was sich auf dem physischen Plane als Kräfte darbietet, die Weltherrschaft begründen, sondern man will mit den Impulsen des Okkultismus, den Impulsen, die in der Welt des Unoffenbaren liegen, diese Kultur fördern. Da wird also mit okkulten Mitteln nicht mehr für das Heil der allgemeinen Menschheit gearbeitet, sondern nur für das Heil einer Gruppe. Verbinden Sie solche überschauende Gesichtspunkte, die sich Ihnen aus der tieferen Erkenntnis ergeben, mit den Ereignissen des Alltags, so werden Sie manches gründlich verstehen.

Es gibt noch zahlreiche anerkennenswerte Idealisten - ich sage das nicht im Entferntesten aus irgendeinem Spott heraus, sondern weil Idealismus auch da, wo er irrt, immer anerkennenswert ist -, die da glauben, daß jenes Netz von kommerziell-industriellen Maßnahmen, welches sich von seiten des Britischen Reiches aus über verschiedene Länder verbreitet, nur so lange aufrechterhalten wird, wie der Krieg dauert, und daß dann die Menschen schon wiederum ihre Freiheit im kommerziellen Verkehre haben werden. Abgesehen von einigen Illusionen, die man erwecken wird durch Interregnen, durch dasjenige, was man machen wird, damit die Leute nicht gleich stutzig werden, ist dasjenige, was in dieser Kriegszeit an Kontrollierung des kommerziellen Verkehrs über die Welt hin begonnen worden ist, nicht so gedacht, daß es mit dem Kriege wieder verschwindet, sondern so, daß es mit dem Kriege nur seinen Anfang nimmt und dann seine Fortsetzung hat. Der Krieg soll nur die Gelegenheit geben, die Nase in die Geschäftsbücher der Leute hineinzustecken, aber man soll nicht glauben, daß dieses Hineinstecken der Nasen in die Geschäftsbücher nach dem Kriege aufhören wird - ich meine das nur symbolisch für dasjenige, was im weitesten Umfange geschehen soll. Gemeint ist, daß gerade [162] die kommerzielle Weltherrschaft immer intensiver und intensiver wird.

Alles das sage ich nicht, um irgendwie zu agitieren, sondern nur, um aus den Impulsen der Weltgeschichte heraus klarzumachen, was ist. Nur die Erkenntnis dessen, was ist, kann die Menschen dazu führen, in der entsprechenden richtigen Weise sich zu verhalten. Daher mag es wohl auch kommen, daß jene europäische Weltkarte in gewissen okkulten Gemeinschaften gerade so ausgefallen ist, wie ich sie Ihnen gestern auf die Tafel zeichnen konnte. Ich bemerke ausdrücklich: diese Karte kann von mir zurückverfolgt werden bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Wie weit sie sonst zurückgeht, das weiß ich nicht. Ich sage nur dasjenige, was ich weiß; nur dasjenige, was ich mit Sicherheit sagen kann. Daher habe ich auch über die skandinavischen Staaten nichts gesagt, weil ich nicht weiß, ob darüber auch irgendwelche Bestimmungen getroffen sind. Ich begrenze mich streng in dem, was ich weiß, und betone das insbesondere bei dieser Gelegenheit, obwohl dieses der Grundsatz ist, den ich bei jeder Gelegenheit verfolge.

Dazu müssen Sie nehmen, daß diese Karte, das heißt diese Verteilung der europäischen Verhältnisse, die Tendenz hat, der Bildung der kommerziell-universalen Monarchie zu dienen. Europa soll so eingerichtet werden, daß die kommerziell-universale Monarchie begründet werden kann. Ich sage nicht, daß das schon morgen geschehen soll; aber Sie sehen ja, daß schon Teilzahlungen gefordert werden. Vergleichen Sie nur die jetzige Note an Wilson mit der Karte von Österreich, so haben Sie es schon ganz genau. Über die Schweiz ist darinnen heute noch nichts gesagt; diese Abschlagszahlung wird man später fordern. Aber wie sie der Reihe nach erscheinen werden, das wird schon der Karte entsprechen, die ich gestern aufgezeichnet habe.

Diese Einteilung von Europa, welche sich da ergibt, ist wohl dazu geeignet, die kommerzielle Weltherrschaft zu begründen. Nun, Sie können Einzelheiten auf dieser Karte studieren und Sie werden sehen, daß diese Karte wohl erwogen ist, um das zu begründen, was ich eben sagte. Ich sagte: Die kommerzielle Weltherrschaft -; denn man braucht nicht gleich vom Anfange an all die Territorien auch wirklich zu besitzen, sondern es genügt, sie so zu arrangieren, daß sie, wie man sagt, in die [163] Einflußsphäre fallen. Und dann ist es sehr schlau angeordnet, gerade diejenigen Gebiete zunächst in die Einflußsphäre zu kriegen, die ich gestern mit dem gelben Stifte als die eigentlich britisch in Anspruch zu nehmenden bezeichnete: die Randgebiete. Und man kann ja, um den andern Menschen das Wohlgefühl eines gewissen Idealismus noch zu lassen, die Sache auch so machen, daß man die kommerzielle Herrschaft ausübt und den andern das Spiel mit den Territorien eine Zeit noch überläßt. Aber die Einflußsphären werden so erstreckt werden, wie das gezeichnet worden ist. Es kommt ja wirklich nicht darauf an, ob es im Jahre 1950 ein Belgien gibt, ein Frankreich, das bis an die Grenze geht, sondern es kommt darauf an, welche Macht Belgier in diesem Belgien, Franzosen in diesem Frankreich haben, und welche Macht Briten in Belgien oder in Frankreich haben. Zur Begründung der kommerziellen Weltherrschaft ist es nicht nötig, auch immer gleich die Territorien unmittelbar anzustreben. Aber vor allen Dingen müssen wir uns klar sein, daß diese Weltherrschaft eine kommerziell-industrielle ist. Das begründet etwas sehr Wichtiges.

Nun würde ich allerdings eine ganze Reihe von Vorträgen halten müssen, wenn ich Ihnen das in den Einzelheiten begründen würde. Dies könnte aber durchaus geschehen, denn was ich sage, ist tief begründbar. Ich kann es aber heute nur andeuten. Will man nämlich eine kommerziell-industrielle Weltherrschaft begründen, so muß man das Hauptgebiet, auf das es ankommt, zunächst in zwei Teile teilen. Das hängt zusammen mit der Natur des Kommerziell-Industriellen. Ich kann mich nur durch einen Vergleich ausdrücken: Es fordert dasjenige, was auf der Welt des physischen Planes geschieht, immer eine Zweispaltung. Stellen Sie sich einmal einen Lehrer ohne Schüler vor - das gibt es nicht. So kann auch nicht ein Kommerzium da sein ohne ein Gebiet, das einem Kommerzium gegenübersteht. Daher muß ebenso, wie auf der einen Seite das britische Kommerzium begründet wird, der russische als der dazugehörige gegensätzliche Pol geschaffen werden. Damit sich die entsprechende Differenzierung ergibt zwischen Einkauf und Verkauf, damit sich die Zirkulation ergibt, braucht man diese zwei Gebiete. Man kann nicht die ganze Welt zu einem einheitlichen Reiche machen; da würde man nicht ein kommerzielles Weltreich begründen können. Es [164] ist das nicht genau dasselbe, aber es ist ähnlich damit, daß wenn man etwas erzeugt, man Abnehmer braucht; sonst kann man nicht erzeugen. So muß es die Zwiespältigkeit geben. Und daß man dieses als einen großen Zug hereingebracht hat in die Sache, das ist ein großer, ein gigantischer Gedanke von jenen okkulten Brüderschaften, von denen ich gesprochen habe. Es ist ein weltgigantischer Gedanke, den Gegensatz zu schaffen, gegenüber dem alles andere als eine Kleinigkeit erscheint, diesen Gegensatz zwischen dem britischen Kommerzimperium und demjenigen, was sich aus dem Russischen heraus ergibt mit dem durch die spirituellen Anlagen bewirkten Vorbereitung für den sechsten nachatlantischen Zeitraum mit alledem, was ich Ihnen geschildert habe. - Das ist ein großer, gigantischem, bewundernswürdiger Gedanke von diesen okkulten Brüderschaften, von denen gesprochen worden ist. Denn, trivial ausgedrückt, man kann sich kaum einen schöneren Gegenpol denken für dasjenige, was sich im Westen als höchste Blüte des kommerziellen und industriellen Denkens ausbildete, als den künftigen russischen Slawen, dem in dem Zukunft ganz gewiß noch wenigem als heute geneigt sein wird, sich mit Kommerziellem berufsmäßig zu betätigen, und der ja gerade dadurch ein ganz ausgezeichneter Gegenpol sein wird.

Nun handelt es sich aber darum, daß selbstverständlich ein solches Imperium seine eigenen Bedingungen aussprechen muß. Und es war ein tiefer Gedanke von Spencer und seinem Vorgänger schon, immer wieder zu betonen: Das Industriell-Kommerzielle, das ein Volk durchdringt, will nichts mit Krieg zu tun haben, sondern das ist für den Frieden, braucht den Frieden und liebt den Frieden. - Das ist ganz wahr: Es wird sozusagen eine tiefe Liebe bestehen zwischen dem, was nach dem Kommemziell-Industriellen hinstrebt und dem Friedenselemente der Welt. Nur kann diese Friedensliebe manchmal sonderbare Formen annehmen. In der jetzigen Note an Wilson lebt ja schon etwas Merkwürdiges. Obwohl man bloß das auf die Tafel zu zeichnen braucht, was aus Österreich wird - sehen Sie einmal nach, was aus Österreich geschieht, wenn Sie diese Karte anschauen, die ganz nach der Note gezeichnet ist -, trotzdem wagt diese Note auszusprechen:

Als politisches Gemeinwesen soll dasjenige, was in den mitteleuropäischen [165] Völkern lebt, nicht irgendwie berühmt werden. - Nun, das ist auch «gigantisch», gigantisch nämlich durch sein absolut frivoles Spielen mit der Wahrheit, denn sonst sagt man gewöhnlich nur das, was unwahr ist, in bezug auf etwas, was außerhalb eines Schriftstückes liegt; aber hier sagt man zwei Dinge auf dem gleichen Papier: Wir werden das Mittelreich zerstückeln, aber wir tun ihm ja eigentlich nichts. - Die Zeitungen begleiten das schon im Chorus dadurch, daß sie schreiben: Man wird sehen, ob die Mittelmächte nun auch die annehmbaren Bedingungen annehmen werden. - Man kann überall lesen:

Nun haben die Ententemächte ihre Bedingungen gestellt, man wird sehen, ob diese für die Mittelmächte durchaus annehmbaren Bedingungen nun schroff zurückgewiesen werden. - Es ist in der Tat weit gekommen, aber das kann man lesen.

Folgen wir nun dem Gedanken dahin, wohin er uns geführt hat. Wir haben es also zu tun mit einer Zweispaltung der Welt, und es handelt sich darum, daß diese Zweispaltung der Welt so durchgeführt werde, daß man der Welt sagen kann: Wir wollen den Frieden haben und sind nur für den Frieden. - Das ist nach einem gewissen Rezept, nach dem jetzt sehr vieles geschrieben wird, etwa so, wie wenn einer sagt: Ich will dir gar nichts antun, ich werde dir auch nicht ein Härchen krümmen, sondern ich sperre dich nur in einen tiefen Keller und gebe dir nichts zu essen! Hab ich dir irgendwie das Allergeringste angetan? Kann mir irgendein Mensch sagen, daß ich dir nur ein Härchen gekrümmt habe? - Nach diesem Rezept sind sehr viele Dinge geformt, nach diesem Rezept ist auch die Friedensliebe geformt, trotzdem sie eine Realität ist. Aber wenn sie sich zu gleicher Zeit paart mit dem Prätention der kommerziellen Weltherrschaft, so ist sie für den andern nicht akzeptabel, sie kann ganz unmöglich angewendet werden. Und so wird das friedensliebende Kommerzium in der Zukunft in seiner Friedensliebe ganz gewiß einigermaßen gestört werden. - Das wissen selbstverständlich diejenigen auch, die die Welt so zweiteilen, und daher braucht man einen Wall dazwischen. Diesem Wall soll in dem großen südeuropäischen Konföderation geschaffen werden, die auch Ungarn und alles das umschließt, was ich gestern angedeutet habe; dies soll gerade Frieden schaffen. Und die Art und Weise, wie durch die Einflußsphäre, [166] die ich angedeutet habe, das Britische Reich sich zum Mittelmeer verhält, zeigt, daß man ja ganz gut dem südeuropäischen Konföderation Konstantinopel und alles mögliche geben kann. Sie können ja doch nur bis zum Mittelmeer, denn im Westen sperrt man das Mittelmeer, wenn man will, jederzeit ab.

Kurz, bis in alle Einzelheiten hinein können Sie den gigantischen, großartigen Gedanken verfolgen, der gerade in dieser Karte liegt. Es fehlt heute die Zeit, um das alles im einzelnen durchzugehen. Aber es ist ein gigantischer, großartiger Gedanke, nur die Südhäfen, die ins Mittelmeer gehen, für Frankreich noch frei zu lassen, die andern unter die eigene Einflußsphäre zu bekommen. Das bedeutet, daß im Grunde genommen das französische Kolonialreich, das Frankreich sogar unter dem Protektorrolle der andern begründet hat, zur Illusion wird, und man das auch in die Einflußsphäre bekommt. Wenn Sie alles das verfolgen, werden Sie sehen, in wie gigantischer Weise sich aus dem, was Bewußtseinsseelenkultur ist, verwirklichen soll, was diese okkulten Schulen anstreben.

Die Dinge, welche gewissen Impulsen entsprechen, geschehen. Denn in der Weltgeschichte und in der Weltentwickelung waltet Notwendigkeit. Die Dinge geschehen. Aber sie geschehen so, daß die Kräfte wirklich aufeinander wirken. So wie niemals positive ohne negative Elektrizität ist, sondern die Gegensätze mit verschiedenen Intentionen aufeinander wirken, so ist es auch im Menschheitsgeschehen. Und gerade wenn man so etwas ins Auge faßt, muß man eine «moralinfreie» Betrachtung anwenden. Die bewahrt einen auch davor, zu fragen: Warum soll denn so etwas geschehen? - Es ist einmal in der Mission eines gewissen Elementes gelegen, daß so etwas geschieht, und das, was sich entwickelt, muß sich entwickeln. Aber es muß auch der Widerpart da sein, der Gegenpol, dasjenige, was einer solchen Sache entgegenstrebt. Das muß auch da sein. Und wenn wir jetzt die Sache im großen noch einmal betrachten, so sehen wir eigentlich von der Peripherie aus das wirken, was wir als diese drei Glieder charakterisiert haben.

Blicken wir jetzt nach dem Zentrum zurück. Da handelt es sich darum, daß der Widerpart, der Gegenpol da ist, damit immer eine Art von Bremsung geschehen kann. Diese Bremsung ist ebenso notwendig, wie [167] das andere notwendig ist. Und so wenig wie ich das eine tadele, lobe ich das andere; ich schildere nur die Impulse, die Tatsachen. Es wird mir nicht im geringsten einfallen, ein moralisch wegwerfendes Urteil zu fällen über dasjenige, was ich gerade als eine Notwendigkeit aus dem ganzen Charakter des fünften nachatlantischen Zeitraumes heraus schildere. Der Welt die materielle, industrielle, kommerzielle Kultur zu geben ist ja nichts Schlechtes, ist durchaus eine Notwendigkeit. Aber ein Gegenpol muß da sein, denn die Menschheitsentwickelung kann nicht so fortgehen, daß die Evolution einfach in einer geraden Linie geht. Aufeinanderprallen müssen die Gegensätze, und in ihrem Aufeinanderprallen entwickelt sich die Realität. Und in Mitteleuropa war immer eine Ansammlung von Impulsen nötig, welche zum Teil mit den nach der Peripherie ausgestrahlten Impulsen arbeiteten, in der Weise, wie ich es schon dargestellt habe, zum Teil aber gerade das in vieler Beziehung sogar tragische Schicksal hatten, sich jenen Impulsen entgegenstellen zu müssen.

Gewiß strahlen diese Impulse von Mitteleuropa aus und machen sich an andern Stellen in vielem Beziehung geltend. Aber wer genauer zusieht, wird zu jenen Impulsen, die ich jetzt geschildert habe, die Gegenpole doch in Mitteleuropa finden. Denn denken Sie einmal, wie in Mitteleuropa zuerst die Opposition gegen das Kultisch-Theokratische des spanisch-italienischen Südens aufgetreten ist, und wie diese Opposition in Luther einen gewissen Höhepunkt erlangt hat, ihre größte Tiefe aber in dem mitteleuropäischen Mystik. Da ist richtig zusammengeflossen das, was nicht etwa bloß deutsch oder bloß germanisch ist, sondern dort wirkt Slawisches mit Mitteleuropäischem ineinander. Hier wollte man das Christentum nicht nach päpstlichhierarchischem Impuls nehmen, sondern das Innerliche, das im Süden gerade ausgehöhlt worden war, wirksam werden lassen. Savonarola ist ja einfach hingerichtet worden. Diese Innerlichkeit lebte in dem Tschechen Johannes Hus, wie in dem aus dem germanischen Engländertum entsprossenen Wiclif, wie in Zwingli, wie in Luther. Sie hat aber ihr tieferes Element in der mitteleuropäischen Mystik, der übrigens das slawische Element durchaus nahesteht. Und gerade an diesen Verhältnissen können Sie sehen, wie sich in einem merkwürdigen Weise die [168] Dinge erfüllen. Denn da ist Mitteleuropa mit dem nachdringenden Slawentum in einer gewissen Weise durchaus schon der Opponent gegen die Peripherie, und es wirkt, wenn auch politisch noch vielfach miteinander uneinig, das Slawentum, das Östliche, mit dem Mitteleuropäischen zusammen. Und auch in okkulter Beziehung wirkt das im Grunde genommen in einer wunderbaren Weise zusammen.

Wir sehen, wie sich im Süden immer mehr und mehr ein gewisses materialistisches Element heraufentwickelt, das dann seinen Höhepunkt in solchen Leuten wie Lombroso erfahren hat. Wir sehen dieses materialistische Element auch sonst in der Peripherie gerade als ein Tonangebendes. Bis herauf zu Oliver Lodge, den wir in der letzten Zeit besprochen haben, haben wir in den Spiritualismus das Materialistische hereinragend. Aber wir sehen auf der andern Seite, wie dem entgegengesetzt wird dasjenige, was sich emanzipiert, und zwar zunächst von dem Romanisch-Hierarchischen. Da steht hinter dem urdeutschen Kepler der Pole Kopernikus; da stehen insbesondere slawische Geister hinter denjenigen, die germanische Geister sind. Und ich möchte sagen:

Wir sehen über den physischen Plan hin zu dem Mitteleuropäisch-Slawischen eine Verbindung: Hus, der Tscheche, Kopernikus, der Pole und andere - es könnten ebensogut andere erwähnt werden - bilden über den physischen Plan hinüber eine Verbindung. Da sehen Sie aber auch, wie zusammenwächst in Mitteleuropa das slawische Element mit dem germanischen Elemente, da sehen Sie das osteuropäische slawische Element in seinem Zusammenwachsen mit Europa. Das sieht man allerdings nur, wenn man die okkulten Verhältnisse betrachtet.

Um nur einen Fall anzuführen: Des Galilei Seele lebt wiederum auf in dem Russen Lomonossow, und der Russe Lomonossow ist in vielem Beziehung ein Begründer slawischer Kultur im Osten. Da liegt dazwischen die geistige Welt, so daß man sagen könnte: Die mitteleuropäischen Slawen sind noch auf dem physischen Plane mit den Menschen des Westens verbunden. Dasjenige, was dahinterliegt, ist mit den Menschen des Westens verbunden über die höheren Plane hinüber.

Das entspricht ganz der Tatsache, daß das russische Element nachfolgt in bezug auf das slawische, es entspricht aber auch dem Umstande, [169] daß das westliche Slawentum in andern Verhältnissen zu Westeuropa zu denken ist als das östliche Slawentum. Und nur wenn man nicht denkt im Sinne der Fortentwickelung der Gesamtmenschheit, sondern im Sinne des englisch sprechenden Imperiums, wird man die Polen dem russischen Reiche einverleiben wollen.

Gerade an diesem Punkte sehen Sie den Unterschied zwischen dem Denken, das nur für eine Gruppe von Menschen denkt, und dem Denken, das zum Heile der Gesamtmenschheit denkt. Niemals könnte das Denken, das zum Heile der Gesamtmenschheit denkt, das Gebiet dem Polen in das russische Reich einreihen. Denn in einer merkwürdigen Weise gliedern sich gerade die Westslawen mit ihren tiefsten Anlagen dem Mitteleuropäischen ein. Ich kann heute nicht sprechen von dem wechselvollen Schicksale des polnischen Volkes, ich will nur sagen, daß die geistige Kultur des polnischen Volkes einen ihrer Gipfel hat im polnischen Messianismus, der - jeder mag über die Realität denken, wie er will - Ideen enthält, welche im geistigen Fühlen, geistigen Vorstellen wurzeln und darauf gehen, aus der polnischen Volkssubstanz heraus der Menschheit eben das zu geben, was den Inhalt des polnischen Messianismus ausmacht. Da haben wir gewissermaßen das gnostische Element, das ja dem einen der drei Seelenglieder entspricht, die aus den Westslawen nach Mitteleuropa hereinfließen sollen.

Das zweite Element haben wir im Tschechentum, das nicht umsonst seinen Johannes Hus von Hussinetz hat; da haben wir das zweite aus dem Slawentum nach Mitteleuropa hereingeschobene Glied der Seele. Und das dritte Glied liegt im Südslawischen. Diese drei Seelenglieder schieben sich wie drei Kulturhalbinseln vor, und sie gehören durchaus nicht dem osteuropäischen Slawentum an. Und gerade um gewissermaßen einen Rahmen zu haben, in dem die Westslawen gemäß ihren eigenen Bestrebungen ihre Entfaltung finden können, ist, äußerlich auf dem physischen Plane betrachtet durch Zusammenheiraten, innerlich aber durch dasjenige, was ich jetzt gesagt habe, dieses Österreich entstanden, das deutsche und westslawische Völkerschaften zu amalgamieren hat. Nicht nach einem Herrschaftsprinzip! Wer Österreich in dem zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gekannt hat, wird es geradezu lächerlich finden, was mit Bezug auf Österreich und ein gewisses Herrschaftsprinzip [170] in dem jetzigen Note an Wilson gesagt ist. Selbstverständlich sind die Verhältnisse schwierig; aber daß nach einer Möglichkeit gesucht worden ist, jede slawische Individualität, überhaupt jede Volksindividualität sich in Österreich wirklich frei entfalten zu lassen, das weiß jeder, der die österreichische Geschichte des 19. Jahrhunderts kennt. Aber was steht nicht alles in dieser Note. Man brauchte nur ein Elementarbuch der Geschichte in die Hand zu nehmen, um zu sehen, daß die Länder, die Italien jetzt von Österreich verlangt, niemals unter italienischer Herrschaft waren. Und doch steht in dieser Note: Die Italiener verlangen Gebiete, die ihnen einmal gehört haben. - Auf die Wahrheit kommt es ja in dieser Note überhaupt nicht an, sondern darauf, zu sagen, was man eben sagen will, wobei man darauf rechnet, daß durch die magische Gewalt des modernen Journalismus die Menschen schon dahin gebracht worden sind, alles zu glauben. Man verrechnet sich ja auch damit nicht immer. Aber das gehört gerade zu den magischen Mitteln gewisser Gesellschaften, auch mit der Kraft des Journalismus in entsprechender Weise zu rechnen. Gerade weil Österreich sich sozusagen unter der Oberfläche der äußeren Geschichte vorbereitete zu der Mission, von der ich gesprochen habe, war es immer ein Widerpart, ein Gegenpol gegen alles Freimaurerische, das gerade im Westen jene Ausgestaltung gefunden hat, die ich in den letzten Wochen charakterisiert habe. Nach Österreich durfte das Freimaurertum niemals hinein. Es beginnt erst einigermaßen so, wie es sonst in Mitteleuropa lebt -aber es ist eben so, wie ich es auch schon charakterisiert habe -, jenseits der Leitha; da ist es etwas vorhanden.

Gewiß, es gibt noch andere Impulse, die, wie Sie gesehen haben, dahin führen, daß man eine gewisse Milde walten läßt, um die mitteleuropäischen Völker politisch nicht zugrunde zu richten. Dem entsprechen die Kriegsziele und die Friedensvorschläge, die jetzt gemacht worden sind. Aber daß gerade über Österreich in dieser Weise hergefallen wird, wird sich Ihnen zum Teil erklären aus diesem Gegensatze, der zwischen Österreich und dem westeuropäischen Freimaurertum Immer bestanden hat und der im Grunde genommen zurückgeht bis in die Zeit Maximilians I. Er verbrämt sich ja selbstverständlich unter verschiedensten Dingen, und dasjenige, was ich jetzt sage, ist [171] leicht zu widerlegen, weil sich die Dinge auf dem physischen Plane verbrämen, maskieren.

Wir sehen nun, daß Mitteleuropa sich zu wehren hat für die Menschheit, weil es den Gegenpol gegen die von Westen kommenden Impulse abgeben soll. Das aber bedingt wiederum, daß die mitteleuropäische Entwickelung keine geradlinige ist, sondern, ich möchte sagen, auf und ab wogt; denn sie hat immer dasjenige aufzugreifen und zu einer bestimmten Epoche, zu einem besonderen Intensität zu bringen, was gegen einen der vom Westen kommenden Impulse gerichtet ist. Nehmen wir den hierarchisch-theokratischen Impuls. Während man dasjenige aufnimmt, was auf den Wogen des hierarchisch-theokratischen Impulses als Christentum nach Europa getragen wird, beginnt bereits im 12. Jahrhundert die Opposition. Lesen Sie Walther von der Vogelweide, den großen mitteleuropäischen Dichter: Sie finden bei ihm Opposition gegen das römische Papsttum, gegen den Romanismus überhaupt. Das, was später sich auslebt in Hus, in Luther, in Zwingli und so weiter, finden Sie bei Walther von der Vogelweide bereits angedeutet; Sie finden aber auch dasjenige, was sich als verinnerlichtes Christentum entwickelt - parallelgehend mit der Peripherie, aber in verinnerlichter Form - in der Pamzival-Dichtung des Wolfram von Eschenbach.

Da haben Sie am Beginn des fünften nachatlantischen Zeitraumes bereits die Opposition gegen das Theokratisch-Hierarchisch-Romanische, wie es von Spanien und Italien ausgeht. Niemals - so eigentümlich wirkt dieser Gegenpol - wird dasjenige, was Innerlichkeit ist, verleugnet. Es bleibt. Aber es wird eben dem Machtprinzip enteignet und als Gegenpol ausgebildet.

Ich tadle nicht das eine und lobe nicht das andere; ich zitiere. Wir haben das hierarchisch-theokratische Prinzip; dann ist das diplomatisch-politische gekommen. Es wird herübergenommen in allen seinen Formen, mit allen seinen Nebenerscheinungen. Und da ist es interessant, auf einzelne historische Einzelheiten einzugehen. Es ist eigentlich nicht richtig, wenn in historischen Handbüchern oftmals ausgeführt wird, daß die Erfindung des Schießpulvers die Ursache des modernen Heerwesens sei, im Gegensatze zu dem Ritterheereswesen des Mittelalters. Das Wesentliche ist, daß mit dem Beginn der neueren Zeit die in [172] Europa während des Mittelalters herrschende Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft ersetzt worden ist, daß die herrschenden Gewalten Geld zu verwalten kriegten, was vorher nicht der Fall war. Vorher herrschte viel mehr Naturalwirtschaft. Das Geld spielte nur eine Nebenrolle. Durch die Geldwirtschaft bildete sich aber zunächst das Soldheerwesen aus, das nicht mehr vereinbar war mit dem alten, an die Naturalwirtschaft des Mittelalters angepaßten ritterlichen Heerwesen. Dieses moderne Heerwesen ging von der Schweiz aus. Die Schweizer waren die ersten, die im modernen Sinne des fünften nachatlantischen Zeitraumes Soldaten waren. Sie können die Geschichte verfolgen: Gerade dadurch, daß die Schweizer so tüchtige Soldaten geworden sind, haben sie alle die großen Erfolge gehabt, die sie erringen mußten, um die spätere Schweiz gegen das anstürmende Rittertum möglich zu machen. Das erzähle ich eigentlich den Schweizern. Im Grunde genommen sind die Schweizer die ersten, die wirklich heeresmäßigen Überwinder des Rittertums. Spricht man von der Überwindung des Rittertums, so muß man die Überwindung dieses Rittertums in der Schweiz suchen. Denn wie man das Rittertum überwindet, namentlich durch dieses Fußsoldaten-Heereswesen, das hatte das übrige Europa ganz allein von den Schweizern gelernt. Studieren Sie die Geschichte, so werden Sie das bewahrheitet finden.

Gehen wir nun in dem Betrachtung der weiteren Entwickelung bis zu Napoleon. Worin lag die Überlegenheit der napoleonischen Soldaten und Heere über die mitteleuropäischen Heere? Darin, daß im Grunde genommen Mitteleuropa noch zur Zeit Napoleons, selbstverständlich nicht mit schweizerischen Soldaten, aber nach schweizerischem soldatischem Prinzip arbeitete, während Napoleon aus dem französischen Volkstum heraus bereits ein wirkliches Volksheer zu befehligen hatte. Das kann man würdigen, wenn man die Schlachten zwischen den mitteleuropäischen Menschen und Napoleon in der richtigen Weise verfolgt. Die Heerführer der mitteleuropäischen Heere, oh, wie müssen die ihre Söldner, die sie im Grunde doch waren, an der Strippe halten, bis in die Quartiere hinein! So ist es ihnen niemals möglich, strategisch weite Linien zu entfalten. - Napoleon ist mit dem französischen Heere der erste, der weitverteilte Linien entfalten kann, weil er ein Volksheer [173] hat, ein Heer, das aus dem Volkskörper herausgeboren ist. Er brauchte nicht besorgt zu sein, wenn er seine Heeresmassen gemäß den strategischen Notwendigkeiten verteilte, daß ihm seine Leute davonliefen. Der preußische Feldherr hingegen, zum Beispiel bei den berühmten Feldzügen Friedrichs des Großen, mußte stets besorgt sein, daß ihm eine Truppe, die er irgendwohin sandte, im nächsten Augenblick desertierte, weil das kein Volksheer war, sondern die Leute von überall zusammengeholt, zuweilen auch zusammengedroschen waren; sie waren auch aus den verschiedensten, zum Teil ganz fremden Gegenden. In Frankreich ist die Erfindung des Volksheeres gemacht worden, und das hat dazu geführt, daß man in Mitteleuropa, von Preußen ausgehend, auch ein Volksheer geschaffen hat, ganz nach dem französischen Vorbild; und erst dadurch ist das mitteleuropäische Volksheer etwas geworden, daß es französischen Charakter angenommen hat.

So sehen wir selbst auf diesem Gebiete, wie mit der Peripherie gleich-, also parallellaufend gearbeitet wird. Das Entgegenstellen besteht dann selbstverständlich darin, daß man Krieg führt, wenn es sich um Heereswesen handelt. Das ist ja aber für uns nicht die Hauptsache, sondern wir können denselben Gegensatz auf einem andern Gebiete verfolgen.

Wir haben also gesehen, daß durch alles dasjenige, was in der Reformation gipfelte, dem hierarchisch-theokmatisch-romanische Charakter seine Opposition in Mitteleuropa gefunden hat. Der diplomatisch-französische Charakter lebte sich nach Mitteleuropa herein bis in die Zeit Friedrichs des Großen, bis ins 18. Jahrhundert. Lessing hat sich noch überlegt, ob er seinen «Laokoon» nicht französisch schreiben solle. Lesen Sie die Briefliteratur des 18. Jahrhunderts: In Mitteleuropa können die Leute recht gut französisch schreiben, aber schlecht deutsch. Das Französische hat ganz Mitteleuropa überflutet. Man kann sagen, daß erst zu Lessings Zeit in bezug auf das französisch-diplomatische Wesen, nach dieser zweiten Seite hin, durch Lessing, Herder, Goethe und durch das, was nachfolgte, dasselbe geschehen ist, was durch die Reformatoren nach Süden hin vollzogen worden war. Da emanzipieren sich in der mitteleuropäischen Literatur Goethe, Schiller, Herder, Lessing vom Westen, wie sich in der Reformation das mitteleuropäische [174] Christentum von dem südlichen emanzipiert hatte. Zugleich mit diesem Trennungsprozeß geht aber eine Verbindung Hand in Hand. Lessing hat in seiner Jugend noch viel französisch geschrieben. Leibnizens ganze Philosophie, insofern sie nicht lateinisch geschrieben ist, ist französisch geschrieben, nicht deutsch. Das war in bezug auf diese zwei Gebiete ein Zusammenarbeiten und ein In-Opposition-Stehen zugleich. Wir können die Sache durchaus so zeichnen: Südliches-Mitteleuropäisches: Opposition; Westliches-Mitteleumopäisches: Opposition.

So ist es aber auch mit dem Dritten, das auftaucht, dem Britischen. Zunächst ein gewisses Parallelgehen, wie es sich insbesondere darin ausdrückt, daß der große Shakespeare vom 18.Jahmhundert ab und im Laufe des 19. Jahrhunderts ein vollständig deutscher Dichter wird, indem er ganz und gar aufgenommen wird. Er wird ja nicht etwa bloß übersetzt, sondern er wird vollständig assimiliert, er lebt im deutschen Geistesleben. Ich will aus leicht begreiflichen Gründen nicht sagen, er lebt heute im deutschen Geistesleben mehr als im britischen Geistesleben weiter. Aber man sehe sich doch einmal die ganze Entwickelung an von Elias Schlegel, der die erste Shakespeare-Übersetzung machte, bis zu der feingeistigen Durchdringung des Geistes Shakespeares bei Lessing, dem Enthusiasmus dem deutschen Naturalisten des 18.Jahr-hunderts und Goethes gegenüber Shakespeare, weiter herauf über die ganz ausgezeichneten, man kann nicht sagen Übersetzungen, sondern deutschen Assimilierungen Shakespeares durch die Schlegel und Tieck und weiter bis in unsere Tage. Shakespeare lebt in dem deutschen Volkstume. Und als ich selber nach Wien kam und neben meinem naturwissenschaftlichen Studium literarhistorische Vorlesungen hörte, da waren die ersten Vorlesungen, die ich zu hören hatte, von Schröer, der dazumal sagte, er wolle über die drei bedeutendsten deutschen Dichter sprechen: über Schiller, Goethe und Shakespeare! Das ist selbstverständlich nicht ein Kapern Shakespeares, der nicht etwa für die Deutschen in Anspruch genommen werden sollte; aber es zeigt dieses eine Beispiel, wie dieses In-Opposition-Stehen zu gleicher Zeit ein absolutes Mitarbeiten ist. So war es gegenüber dem Diplomatisch-Politisch-Französischen, so wurde es auch gegenüber dem Britischen. Aber zu gleicher Zeit muß der Gegenpol da sein. Das dritte Glied hat noch keine [175] Ausgestaltung gefunden in Mitteleuropa. Dasjenige, was zum Reformation geführt hat, ist das erste; das steht dem Südlich-Hierarchischen gegenüber. Dem Westlichen steht gegenüber dasjenige, was in Goethes «Faust» gipfelt. Was wir für Mitteleuropa erhoffen, ist das eigentliche Ausgestalten des geisteswissenschaftlichen Elementes. Und in bezug darauf wird sich die schärfste Opposition zwischen Mitteleuropa und dem britischen Gebiete ergeben, eine Opposition, die noch schärfer ist als diejenige, in die Lessing, Goethe und ihre Nachfolger geraten sind gegenüber dem Diplomatisch-Französischen. Und in dieser Beziehung war es nur ein Vorspiel, was sich abgespielt hat zwischen uns und den Besantianern und so weitem. Diese Dinge müssen aber durchaus von den großen, weiten Gesichtspunkten aufgefaßt werden.

Ich denke, Sie kennen mich gut genug, um nicht zu glauben, ich spräche aus einer kleinlichen Eitelkeit heraus, wenn ich dies oder jenes sage. Aber ich glaube doch, daß der große Gegensatz da ist zwischen dem, was mit materiellen Experimenten und dergleichen arbeitet, auch um das Spirituelle zu beweisen, und demjenigen, was aus Impulsen dem menschlichen Seele heraus zum Spirituellen sich erheben will. Es braucht ja die Sache nicht so brutal zu werden, daß man einen Alcyone zum materiellen Christus macht, es kann ja bei den feinsinnigen Ausführungen von Sir Oliver Lodge bleiben; aber man fühlt dabei doch etwas von dem, was sein soll. Ja, ich weiß nicht, aber es schadet ja nichts, diese Dinge zu sagen: Es ist schon einmal ein gewisser Gegensatz zwischen dem, was fast gleichzeitig entstanden ist, indem einerseits in einer materialistischen Weise auf die geistige Welt hingewiesen wird durch Sir Oliver Lodge, während ich zu gleichem Zeit an meinem Buche «Vom Menschenrätsel» schrieb, wo versucht wird, in einer ganz mitteleuropäischen Weise die Wege zu verzeichnen, die man gerade in Mitteleuropa aus der menschlichen Seele heraus in die geistige Welt hinein tut. Es gibt keine größeren Gegensätze als das Buch von Oliver Lodge und dieses Buch «Vom Menschenrätsel». Es sind die absolutesten Gegenpole, man kann sich keine absoluteren Gegensätze denken.

So klar differenziert wie sich die Dinge darstellen, traten sie eigentlich erst mehr oder weniger seit dem Beginne der fünften nachatlantischen Periode auf. Denn vorher war in vieler Beziehung die Sache [176] noch anders. Vorher hatte noch das normannische Universalreich bis nach England hinüber eine gewisse Macht, und die scharfe Differenzierung zwischen England und Frankreich trat ja eigentlich hervor durch das Auftreten der Jungfrau von Orléans; dann aber schloß sich alles das an, was in dem Rahmen dieser Differenzierung geschehen konnte. Nun ist das Merkwürdige, daß schon innerhalb dieses Rahmens selber die Einsicht, der Impuls auftaucht, daß man eine Verbindung zu schaffen hat mit dem Gegenpol. Und so sehen wir denn, ich habe das schon öfters besprochen, den rein britischen Philosophen Baco von Verulam, den Begründer des materialistischen Denkens für die neuere Zeit - ich habe ihn Ihnen charakterisiert -, aus derselben Quelle inspiriert wie Shakespeare, der dann in einer so starken Weise nach Mitteleuropa herüberwirkt, wie ich es ausgeführt habe. Und aus derselben Quelle ist Jakob Böhme inspiriert, dem die ganze Inspiration in die mitteleuropäische Seelensubstanz umsetzt, und aus derselben Quelle wiederum der süddeutsche Jesuit Jakobus Baldus. Sie sehen: unter der Oberfläche dessen, was auf dem physischen Plan geschieht, da waltet dasjenige, was Harmonisierung hervorruft. Nur muß man die Dinge eben wirklich differenziert denken, nicht die ganze Sache in einen nebulosen Wirrwarr hinein verschwinden lassen. Einer dem größten, dem gigantischen Geister des britischen Reiches steht selber ganz nahe dem Opposition gegen das bloß Kommerzielle innerhalb des britischen Kommerziums, und das ist Jakob I. Jakob I. bringt insofern ein neues Element hinein, als er der britischen Volkssubstanz dasjenige einimpft - und dauernd einimpft, die britische Volkssubstanz wird das immer haben -, was sie nicht verlieren darf, wenn sie nicht vollständig im Materialismus aufgehen soll. Das aber, was er da einimpfte, steht durch unterirdische Kanäle in Verbindung mit der ganzen übrigen europäischen Kultur. Da stehen wir vor einem bedeutenden Mysterium.

Wenn Sie die Dinge, die wir jetzt angeführt haben, ins Auge fassen, so werden Sie sich sagen: Berechtigt oder unberechtigt kann nicht das eine und nicht das andere genannt werden; man muß einfach die Dinge aus ihrem Notwendigkeit heraus begreifen. - Aber man muß sich auch klar sein darüber, daß man die Dinge wirklich durchschauen soll. Es wird ja leicht die Frage aufgeworfen: Was kann man selber tun in dieser [177] leidvollen Zeit? - Das erste, was man tun kann, ist, daß man versucht, die Dinge zu verstehen, sie zu durchschauen. Dann sind schon die Gedanken da, die Kräfte sind, und die sich auswirken werden. Wenn gefragt wird: Haben denn, da im Grunde genommen schlimme Mächte sich zeigen, die guten Mächte keine Gewalt? - Da muß man doch wiederum auch bedenken, welche Schwierigkeiten aus der Freiheit dem Menschen heraus heute der Geltendmachung des Spirituellen innerhalb der brandenden Wogen des materiellen Lebens gemacht werden. Und darum handelt es sich ja. Soll es dem Menschheit gar so leicht gemacht werden, voll zum spirituellen Leben zu kommen?

Spätere Zeiten werden auf unsere heutigen zurücksehen und sagen: Wie lässig waren doch diese Menschen in bezug auf das Sich-Aneignen des spirituellen Lebens! - Die Geister schicken es uns schon herunter; aber die Menschen sträuben sich dagegen. Und neben all dem Traurigen und Leidvollen, das in der Gegenwart waltet, ist dieses Waltende auch ein Schicksal, das eine Prüfung bedeutet. Und als Prüfung ist es vor allen Dingen aufzufassen und anzuerkennen. Das wird sich später schon herausstellen, inwiefern es notwendig ist, daß dem sogenannte Schuldige mit dem Unschuldigen zusammen leidet; denn das findet im karmischen Verlaufe doch alles seinen Ausgleich. Man kann nicht sagen: Greifen denn die guten Geister nicht ein? - Sie greifen ein in dem Maße, in dem wir uns ihnen eröffnen, wenn wir den Mut haben, uns ihnen zu eröffnen. Aber wir müssen es zuerst mit dem Verstehen der Dinge ernst nehmen, ganz voll ernst nehmen mit dem Verstehen.

Und zu diesem Verstehen gehört, daß eine Anzahl von Menschen die Kraft aufbringen muß, der brandenden Woge des Materialismus wirklich sich mit allem Persönlichsten entgegenzustellen. Denn verbinden wird sich auch mit dem im industriell-kommerziellen Impulse sich auslebenden Materialismus dasjenige, was aus andern zurück-gebliebenen Impulsen, aus chinesisch-japanischem, namentlich aus japanischem Element heraus immer mehr und mehr in den Materialismus gerät.

Gestern ist hier gefragt worden, ob denn diejenigen Gemeinschaften, die da vom Westen her für eine Gruppe arbeiten, nicht bedenken, daß vom Osten herüber die Japaner nachziehen. Ja, diejenigen Menschen, [178] welche diesen Gemeinschaften angehören, die betrachten das nicht als etwas Schlimmes, sondern sie betrachten das als eine Unterstützung für den Materialismus. Denn was da nachkommt aus Asien, wird eben gerade eine besondere Form des Materialismus sein. Darüber soll man sich in allen Fällen klar sein, daß man sich mit aller Kraft entgegenstemmen muß den materialistischen Wogen. Das kann jeder Mensch. Die Früchte des Bestrebens werden schon aufgehen. Sie brauchen dasjenige, was dem Materialismus entgegenarbeiten soll, nicht zu benennen. Nennen Sie es nicht «mitteleuropäisch», nennen Sie es nicht «deutsch», das ist ja nicht nötig; aber erwägen Sie das Widerspiel der Kräfte, wie man es objektiv nachweisen kann.

In zwei Sätze läßt sich zusammenfassen, was man braucht, um dem Materialismus, der ja seine Berechtigung hat, entgegenzuarbeiten. Die Welt wird im fünften nachatlantischen Zeitraum in der Zukunft noch mehr von Industriellem und Kommerziellem durchsetzt sein; aber der Widerpol, der Gegenpol muß da sein: Menschen müssen da sein, die aus Verständnis heraus auf der entgegengesetzten Seite arbeiten. Denn was wollen diese okkulten Brüderschaften? Diese okkulten Brüderschaften arbeiten nicht etwa aus besonderem britischem Patriotismus heraus, sondern sie wollen letzten Endes die ganze Erde unter die Herrschaft des bloßen Materialismus stellen. Und weil gemäß den Gesetzen des fünften nachatlantischen Zeitraumes gewisse Elemente des britischen Volkes als die Träger der Bewußtseinsseele dazu am geeignetsten sind, so wollen sie es durch graue Magie dahin bringen, diese geeigneten Elemente als Förderer des Materialismus zu benützen. Das ist es, worauf es ankommt. Weiß man, welche Impulse spielen im Weltgeschehen, so kann man sie lenken. Andere Volksbestandteile ließen sich niemals in gleicher Weise als Material für die Umwandlung der ganzen Erde in ein materialistisches Gebiet verwenden, kein anderes Volk, kein anderer Volksbestandteil. Daher muß man diesem Volksbestandteil den Fuß auf den Nacken setzen und ihn allen spirituellen Strebens entkleiden, das selbstverständlich in jedem Menschen lebt und gleich lebt in jedem Menschen. Aber weil das Karma so ist, daß hier die Bewußtseinsseele besonders wirkt, so suchten sich diese okkulten Brüderschaften gerade die Elemente des britischen Volkscharakters aus. Und worauf es ihnen [179] ankommt, ist, die Welle des Materialismus über die Welt zu senden, den physischen Plan zum alleinherrschenden zu machen. Und von einer geistigen Welt will man auch nur so sprechen, wie es die Offenbarungen des physischen Planes ergeben.

Dem muß gegenüberstehen das Streben derjenigen, die Verständnis haben für die Notwendigkeit des Spiritualismus auf der Erde. Und wenn Sie von diesem Gesichtspunkte aus betrachten, was hier widerstrebt, so können Sie das in zwei Sätze zusammenfassen. Der eine Satz ist der Ihnen wohlbekannte, der aber noch nicht voll aus den Herzen und aus den Seelen dem Menschen spricht: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Entgegentönen muß jenem Reiche, das ausgebreitet werden soll über den physischen Plan, und das nur von dieser Welt sein soll, entgegentönen muß dem kommerziellen und industriellen Materialismus stets das Wort: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Es ist heute nicht mehr die Zeit dazu, Ihnen zu erklären, inwiefern die Geltendmachung des Wortes «Mein Reich ist nicht von dieser Welt» zusammenhängt mit dem Pflege des Allgemein-Menschlichen; nicht des Deutschen, des Allgemein-Menschlichen. Vier Kasten unterschied dem Inder, vier Stände unterschied dem alte Grieche, nacheinander sind sie hervorgekommen durch den zweiten, dritten, vierten nachatlantischen Zeitraum; im fünften nachatlantischen Zeitraum muß der vierte Stand, das Gemeindeleben, das Allgemein-Menschliche, hervorkommen. Nicht alle können Priester sein, aber das Priestertum kann die Macht, die Herrschaft anstreben. Wir sehen es im dritten nachatlantischen Zeitraum, wir sehen es wiederaufleben in der hierarchisch-theokmatischromanischen Kraft. Die zweite Kaste, das Königtum im Griechisch-Römischen, wir sehen es wiederum aufleben im zweiten nachatlantischen Elemente, wo das Diplomatisch-Politische besonders rege ist; denn das Republikanische ist in Frankreich nur der Widerpart, wie ja alles seinen Widerpart erzeugt. Dem eigentlichen französischen Staatscharakter entspricht nur das monarchische Prinzip, daher auch jetzt nur dem Worte nach die Republik besteht; in Wirklichkeit herrscht eben ein König, welcher zufällig ein Advokat ist, der früher rumänische Prozesse geführt hat. Aber auf die Worte kommt es nicht an, auf die Sache kommt es an. Und gerade darin besteht das Schlimme in unserer [180] heutigen Zeit, daß man sich durch Worte so leicht berauschen läßt. Wenn man jemanden einen Präsidenten nennt, so ist er deshalb noch nicht ein Präsident, sondern es kommt darauf an, wie die realen Verhältnisse sind.

Der dritte Stand ist bekanntlich das Element des Industriellen, des Kommerziellen in Ägypten und Griechenland. Das strebt neu herauf im Britischen Reich, muß aber noch herrschen über das vierte Element, das erst das Allgemein-Menschliche ist. Es ist interessant, dies besonders an einer einzelnen Erscheinung zu beobachten. Man muß schon wirklich Einsichten gewinnen in die Verhältnisse, wenn man die Welt verstehen will. Ganz kurios ist es, wenn man sich die Frage stellt: Wo ist eigentlich die sozialistische Theorie am scharfsinnigsten herausgekommen? - Unter den deutschen Sozialisten, ganz dem Prinzipe entsprechend, wie ich es charakterisiert habe, daß der Deutsche immer die Mission hat, die Begriffe rein auszuarbeiten. So haben die Deutschen selbst für den Sozialismus Begriffe rein ausgearbeitet, nur paßt die deutsche sozialistische Idee auf die deutschen Verhältnisse wie die Faust aufs Auge. Nichts in den deutschen sozialen Verhältnissen paßt auf die deutsche sozialistische Theorie! Daher ist es ganz begreiflich, daß, nachdem ich eine Zeitlang in einem sozialistischen Schule gelehrt hatte, ich zuletzt aus ihr verbannt wurde, weil ich sagte, es müsse doch im Sinne des Sozialismus liegen, Freiheitslehre zu entfalten. - Von seiten des Führers der Sozialdemokraten hat man mir damals entgegengerufen: Auf Freiheit kommt es nicht an, sondern auf vernünftigen Zwang! - Die sozialistische Theorie paßt nicht auf die sozialen Verhältnisse, das heißt, die soziale Theorie will herausentwickelt sein aus der Evolution der Menschheit. Daraus entwickelt sie ihre drei großen Prinzipien:

erstens das Prinzip der materialistischen Geschichtsauffassung, zweitens das Prinzip des Mehrwertes und drittens das Prinzip des Klassenkampfes. Die drei Theorien sind fein herausgearbeitet, aber sie passen nicht auf deutsche, dagegen wunderbar auf britische Verhältnisse. Da sind sie auch studiert worden, da war Marx und hat die Sache zuerst ausgearbeitet, da war Engels, da war Bernstein. Daraus sind sie entsprungen, darauf passen sie, weil sie sich - nehmen wir das dritte Prinzip - auf den Klassenkampf begründen. Dieser waltet aber im Grunde [181] in dem britischen Seele, denken Sie an Cromwell. Und wenn man alles, was seit Cromwell in dem britischen Seele waltet, seinen Impulsen nach studiert, so bekommt man Material für das dritte Prinzip, für den Klassenkampf. Seit der Erfindung der Spinnmaschine und der Einführung jenes sozialen Lebens, das durch die Spinnmaschine gekommen ist, waltet im Britischen Reich dasjenige, was eingeflossen ist in die Theorie des Mehrwertes. Und die materialistische Geschichtsauffassung ist im Grunde genommen nichts anderes als eine ins Pedantisch-Deutsche übersetzte Geschichtsauffassung von Buckle, zum Beispiel Buckles «Geschichte der Zivilisation». Nur daß sie dort so ausgeführt ist, wie man in der britischen Kultur die Dinge ausführt, gemäß dem Grundsatze, niemals in die Konsequenzen zu gehen. Darwin ist ja auch nicht in die Konsequenzen gegangen, sondern hat sich begrenzt in einer gewissen Weise, währenddem die Sache straff, rücksichtslos, wenn Sie wollen, deutsch-pedantisch umgeformt ist in dem materialistischen Geschichtsauffassung von Karl Marx. Es ist interessant, daß für jenes Allgemein-Menschliche, das die vierte Kaste oder Klasse darstellt, die nicht mehr eine Herrschaft anstreben kann - denn es gibt nichts mehr darunter, das zu beherrschen wäre, man kann nur das Verhältnis begründen von Mensch zu Mensch -, keine Theorie geschaffen worden ist. Die wird erst kommen, wenn man jenes Allgemein-Menschliche zugrunde legt, das eben in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft gegeben ist.

Das wird, wenn man es nicht mißversteht, dann zu dem andern, zweiten Satze führen, der hinzukommen soll zu dem «Mein Reich ist nicht von dieser Welt», und dem andere, zweite Satz lautet: «Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.» Das heißt aber:

Zu einer wirklichen Lebensauffassung und Lebensgestaltung ist nur zu kommen, wenn man sich bewußt ist, daß das spirituelle Element gepflegt werden muß, weil die geistige Welt hereinragen muß in die physische. - Sagen kann man irgendwelche Sätze überall. Es kommt aber darauf an, ob sie aus voller Seele und dem ganzen Herzen heraus begriffen werden. Begriffen werden sollen aber die Sätze: «Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist» und «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Dann wird die Atmosphäre des Geistigen [182] kommen, die nichts zu tun hat mit allem Materialistischen, was sich gerade im fünften nachatlantischen Zeitraum auf dieser Erde entwickeln muß. Aber dazu ist eben notwendig, die Dinge in ihrer Wahrheit zu sehen.

Und hierin möchte ich diese Betrachtungen zusammenfassen: daß Ihr Herz sich bestreben möge, die Dinge in ihrer Wahrheit anzusehen. Nur wenn es Herzen gibt, die die Dinge in ihrer Wahrheit sehen, und die jenen furchtbaren Nebel von Unwahrheit durchschauen, der sich heute über die Welt ergießt, kommen wir in entsprechender Weise weiter. Ich habe gesagt: Da der Bogen aufs äußerste gespannt ist, wird er zerreißen. Und insofern ist dasjenige Dokument, das man gewagt hat, jetzt noch der Welt zu übergeben, und dasjenige, was im Anschluß an dieses Dokument gesagt wird, zunächst eine Aussicht für eine Wendung zum Besseren. Mögen auch noch schlimme Zeiten kommen, aber dieses Dokument ist eine Herausforderung des Geistes der Wahrheit selber, und der wird sich in die Verhältnisse schon entsprechend mischen! Denn nehmen Sie nur - das lassen Sie mich zum Schlusse noch sagen - die vorbildliche, ich könnte auch sagen die «nachbildliche» Art und Weise, wie wir selbst behandelt worden sind.

Wir haben uns bestrebt, so kosmopolitisch wie möglich zu sein die Jahre hindurch. Wir versuchten, diesen urdeutschen Zug des Kosmopolitismus in der peinlichsten Weise zu wahren. Was hat sich ergeben? Lesen Sie, welche Verleumdungen mit Bezug auf uns von Britannien ausgegangen sind, die alle von seiten der dortigen Theosophen in das Gewand gekleidet worden sind, als ob wir irgendwelche germanischen Aspirationen hätten. Wir haben nicht solche Prätentionen erhoben, die hat man uns von der andern Seite unterschoben. - Derjenige, auf den wir so viel gegeben haben innerhalb Frankreichs, Edouard Schuré, dem gegenüber wir wirklich niemals in die Versuchung verfallen sind, irgend etwas besonders Germanisches geltend zu machen, weil er ja im Grunde genommen selber der Träger, der Hinüberträger des deutschen Geisteslebens nach Frankreich ist, auch er hat uns dasjenige, was keinen Anstrich des Nationalen haben wollte, als «pangermanisch», «pangermanistisch» ausgelegt. - Es ist kurios, als wir neulich in einem Lexikon («Edouard Schuré» aufschlugen, da fanden wir: «Dem Vermittler deutschem [183] Geisteskultur nach Frankreich.» Das ist vollständig zutreffend, denn im Grunde genommen ist an Schuré nur die Sprache französisch. Deshalb kann man aber natürlich, wenn man in der Sprache alles sieht, alles französisch finden. - Man ist also dann Pangermanist, wenn man nicht so redet über die Deutschen wie der französische Chauvinist Schuré es haben will, man ist dann deutscher Agent, wenn man nicht so redet über die Deutschen, wie Mrs. Besant es haben will. Ähnliche Dinge sehen wir jetzt auch schon in Italien bei unseren früheren Freunden sich geltend machen.

Ja, da hat sich die Notwendigkeit ergeben, sich dagegen zu wehren. Jetzt ist wieder die beste Gelegenheit, auf uns hinzuweisen und zu sagen: Seht, was die für Attacken machen, da sieht man, wem der Angreifer ist! - Das ist ja schließlich auch die Methode Vollrath, das ist die Methode Gösch. Wir sehen die Methode überall, wir kennen sie aus unseren Reihen. Erst zwingt man den andern, sich zu verteidigen, und dann behandelt man ihn als Angreifer. Es ist das ein durchaus wirksames Mittel, ein Mittel, das jetzt in dem Welt eine ungeheuer starke Rolle spielt. Der Angreifer verbirgt sich hinter dem Geschrei, das er erhebt, nachdem er den andern in die Situation gebracht hat, sich verteidigen zu müssen, indem er ihn zum Angreifer stempelt.

Aber nichts anderes soll geschehen, als jener Mission zu dienen, welche darin besteht, das spirituelle Leben zu fördern, das spirituelle Leben zur Geltung zu bringen. Und das ist nun auf der einen Seite verknüpft mit dem Grundsatze: «Mein Reich ist nicht von diesem Welt», und auf der andern Seite mit dem Grundsatze: «Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.» Beides ist allerdings auch, wie Sie wissen, gutes Christentum. Aber es wird noch lange dauern, bis man bis in die Einzelheiten herein solche Dinge versteht. Jetzt treten vielfach wiederum sonderbare Worte auf, das lassen Sie mich zum allerletzten Schluß sagen. Man sagt: Die Entente hat ihre Kriegsziele genannt, es sollen doch die Mittelmächte ihre Kriegsziele nennen, damit gleich für gleich spiele. - Überhaupt dieses Geschrei nach den mittel-europäischen Kriegszielen, das hört man schon seit einiger Zeit. Nun, die Ententekriegsziele - wir haben einige von ihnen besprochen. Aber warum sollte denn Mitteleuropa seine Kriegsziele nennen? Es hat nie [184] welche gehabt! Es hat keine! Daher hat es sich selbstverständlich auf den Standpunkt gestellt: Wir werden verhandeln und gern verhandeln, denn dann wird sich herausstellen, was ihr eigentlich wollt, und dann läßt sich reden; aber von uns aus: Wir haben nichts Besonderes zu sagen, wir wollen nur leben. - Daher kann man natürlich auch sagen:

Die geben nicht ihre Kriegsziele an, da muß also etwas Besonderes dahinterstecken. - Es steckt gar nichts dahinter. Mitteleuropa will nichts anderes, als was es im Jahre 1913 und 1912 auch gewollt hat. Es hat damals keine Kriegsziele gehabt und hat auch heute keine. - Es kommt nicht darauf an, daß man etwas sagt, sondern darauf, daß das Gesagte dem Wirklichkeit entspricht. Mit besonders lauter Kehle wird heute von allen Seiten geschrieen, daß eine besonders schlaue, verschmitzte Finte hinter diesem Weihnachtsfriedensruf der Mittelmächte gelegen sei. Irgendeine Verschmitztheit also, irgendein Den-andern-übertölpeln-Wollen soll in diesem Weihnachtsfriedensrufe gelegen haben. Von vielen Seiten wird behauptet, daß man den Frieden gar nicht haben wollte, sondern daß man nur ein besonders schlaues Mittel suchte, um den Krieg weiterführen zu können. Nun, wäre man doch darauf eingegangen! Man hätte ja nur einzugehen gebraucht auf den Friedensruf, dann hätte man es ja in der Hand gehabt, zu sehen, ob es eine Finte ist. So liegt wiederum das wirkliche Denken, nicht dasjenige, was sich an die bloße Phrase hält. Besiegung der Phrase mit allen Kräften unserer Seele ist das, was geschehen muß, meine lieben Freunde, und das gehört zum Nächsten, was wir in unserer eigenen Seele aufbringen müssen.

Ende!

 

GrußParaneua-Bioeule!   www.paraneuabioeulenov03.de.vu   www.nachtigallaktuell.de.vu   www.paraneua.de/jupiter.htm   http://kampfhund-areal.de  

 



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